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Die verbliebenen Tore

Hirtentor

Das Hirtentor (früher Königstor genannt)
Das Hirtentor datiert vermutlich aus dem Jahr 1588. Es ist ein L-förmiges Gebäude mit einem Erdgeschoß aus Bruchsteinmauerwerk und einem Obergeschoß aus Fachwerk. Durch seine beiden rechtwinklig zusammenstoßenden Schenkel führen zwei Tordurchfahrten, eine in die Obere Hauptstraße und die andere in die Plangasse.

1984 wurde das Gebäude umfassend Renoviert und mit sanitären Anlagen im Erd- und einem großen Raum und einer Küche im Obergeschoß ausgestattet. Es steht seit 1982 dem Thüngersheimer Faschingsclub, der es gepachtet hat, zur Verfügung.

Würzburger Tor

Das Würzburger Tor (früher Plantor)
Das Torhaus ist zumindest in Teilen das jüngste erhaltene Torhaus. Bezeichnet mit der Jahreszahl 1751 und dem Wappen des Fürstbischof Karl Philipp von Greifenklau, dürfte es in diesem erneuert bzw. an Stelle des Vorgängerhauses neu errichtet worden sein.
Der Bürgermeisterrechnung von 1604 und der Gemeinderechnung aus dem Jahr 1723 ist zu entnehmen, dass an das Torhaus ursprünglich eine Schmiede angebaut gewesen sein musste.
Teile des Erd- und Obergeschosses mussten 1970 neu aufgemauert werden, da 1965 ein großer US-Lastkraftwagen in der Einfahrt stecken blieb und schwere Quadersteine aus beiden Torbögen riss. Hierbei wurde das Bauwerk so stark beschädigt, dass die Tordurchfahrt gesperrt werden musste.
Beim Wiederaufbau entschied sich die Gemeinde dafür im Obergeschoß eine Weinprobierstube einzurichten. Diese ist seit … an das Weingut Gebr. Geiger jun. Verpachtet und wird für repräsentative Weinproben genutzt.

Retzstadter Tor

Das Retzstadter Tor (oder Zehnttor)
Das 1609 erbaute Gebäude besitzt ein Erdgeschoß aus Bruchsteinmauerwerk und ein Obergeschoß aus Fachwerk. Im Scheitel des äußeren Torbogens befindet sich das Wappen des Fürstbischof Julius Echter. In unmittelbarer Nähe zum Zehnthof stehend, erhielt es seinen einstigen Namen. Im Laufe der Jahre wurde diese Bezeichnung von seiner heutigen Benennung Retzbacher Tor abgelöst.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war das Gebäude von der Gemeinde verpachtet und ging schließlich in Privateigentum über. Auch heute befindet es sich noch in Privatbesitz.

Die Brunnen

Der Dorfbrunnen am Josefplatz

"Es wird eine Zeit kommen, und sie liegt nahe vor uns, da werden die Menschen nicht mehr wissen, warum unsere Väter Laufbrunnen auf die Märkte und Gassen setzten. In der Zeit der Badeeinrichtungen mit warmen und kaltem Wasser wird man bald nicht mehr verstehen, warum man früher mit dem Brunnen einen wahren Kultus betrieb. Aber schlagen wir die alten Chroniken auf, die erzählen von dem tapferen Widerstand großer und kleiner Städte wider raubgieriger Horden und gebietshungrige Landschaden. Sie litten Hunger, aber sie hielten aus, so lange der Brunnen lief, solange sie der Durst nicht zum Wahnsinn trieb: das springende Wasser war der Quell des Lebens in der Stadt so gut wie in der Natur draußen".

Haldy leitet mit diesen Worten seinen 1919 veröffentlichten Aufsatz über unterfränkische Brunnen ein. Er sagte schon damals eine Entwicklung voraus, die heute eingetreten ist. "Die Zeit ist gekommen", in der die sagenumwobenen dörflichen Brunnen als Quellen des lebensnotwendigen Wassers nur noch in der Erinnerung einzelner älterer Ortsbewohner geblieben sind.

Durch den Bau der zentralen Wasserversorgungsanlage Anfang des 20. Jahrhunderts, mit einem außerhalb des Ortes gelegenen Hochbehälter mit Brunnenanlage verschwanden auch in Thüngersheim wie vielerorts nach und nach die öffentlichen Brunnen. An die einstmals zahlreich vorhandenen gemeindlichen Wasserversorgungsanlagen erinnert nur noch ein Brunnen in der Unteren Hauptstraße, der seiner früheren Funktion enthoben, heute nur noch als Zierbrunnen besteht.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es neun öffentliche Brunnen in Thüngersheim: einen "an der oberen Gasse beim Zehenttor", einen im "Brunnengässchen", einen weiteren in der Dürrengasse, zwei in der Schulzengasse, einen in der "Arnolds- oder Urlaubsgasse", einen in der Kirchgasse und schließlich zwei weitere in der "Unteren Gasse"
Im Volksmund hatten die einzelnen Brunnen eigene Namen und wurden so, laut Kramer, in den Kreis jener Dinge mit einbezogen, die der Mensch sich vertraut macht, indem er sie tauft; so hieß z.B. der Brunnen im ehemaligen Brunnengässchen "Gräulichsbrunnen", der in der Oberen Hauptstraße, da er direkt neben einer Schmiede stand, "Schmiedsbrunnen", einer der beiden Brunnen in der Unteren Hauptstraße war der "Muttergottesbrunnen" und den anderen nannte man "Ketten- oder auch Metzgersbrunnen", wobei die Bezeichnungen sicherlich innerhalb des Dorfes variiert haben können.

Entnommen aus Rauche, Britta: Gemeindliche Architektur in Thüngersheim, Magisterarbeit, Inst. f. dt. Phil./Abt. Volkskunde, Würzburg 1992

Das alte Rathaus

Das alte Rathaus

Der Bau des heute noch erhaltenen, weitgehend unveränderten "alten Rathauses" wurde 1581 für die Gesamtsumme von 800 Gulden abgeschlossen.
Die Entstehung des über einen Hakengrundriss errichteten, zweigeschossigen Gebäudes erstreckte sich von 1579 bis 1581, wie verschiedene Inschriften zeigen.

Über dem Erdgeschoss aus Stein erhebt sich das leicht vorkragende Obergeschoß aus Fachwerk. Die Stirnseiten des Gebäudes sind jeweils mit massiven Treppengiebeln abgeschlossen.

Gemeindebibliothek

Die im Obergeschoss gelegene große Amtsstube zeichnet sich durch eine gut erhaltene Stuckdecke und auffallend viele Fenster aus. Sie wurde schon bei der Erbauung des Gebäudes als Repräsentativraum konzipiert.

Als Rathaus genutzt wurde das Gebäude bis zum Jahr 1981. Bereits im Jahr 1959 wurde im Erdgeschoss des Hauses die 800 Bände umfassende Gemeindebibliothek eingerichtet.

In der Gemeindebibliothek

Nach einer zwischenzeitlichen Verlegung in den Kindergarten, kehrte diese inzwischen mit ihrem auf 3.400 Bände angewachsenen Bestand ins alte Rathaus zurück.

Sie wurde nun im Obergeschoss eingerichtet, wo sie sich heute noch befindet und in der Ortsbevölkerung großer Beliebtheit erfreut. Auch heute noch ist die Bücherausleihe kostenlos.

Die Gaden

Die Gaden

Das ursprünglich altdeutsche Wort "Gaden" bedeutet soviel wie "kleines, einzimmriges Häuschen (Hütte)", "Kammer", "Gemach (besonders zu Wirtschaftszwecken)", "Verkaufsladen" oder auch "Stockwerk". Damit wäre der ursprüngliche Zweck und auch das Aussehen der Kirchgaden annähernd definiert.

Diese waren zunächst nur für den Ernstfall, bei Überfall oder Belagerung als Wohn- und Versorgungseinrichtungen in den Kirchenburgen gedacht. Im Laufe der Zeit wurden sie als ständige Einrichtung z. B. zur Lagerung der Ernteerträge, als Vorratshäuschen, als Weinlager oder zur sicheren Aufbewahrung des wertvollsten Besitzes der Ortsbewohner "missbraucht".

Über die Nutzung der Thüngersheimer Gaden sind keine schriftlichen Quellen erhalten.
Die einzelnen Gaden standen im Eigentum verschiedener Familien oder auch der Gemeinde. Meist war das Besitzrecht an einen Hof gebunden. Sie konnten verkauft, getauscht und vererbt werden. Auch einzelne Teile, z. B. "1/3 Keller*' oder "daß halbe gaaten", wurden an unterschiedliche Parteien verpachtet. Bereits 1443 versicherten Michael Ortlieb und Fritz Leichtermut vor dem Kaiserlichen Landgericht zu Würzburg, daß sie 'das abgrenzt gaden im kirchhof zu Tungersheini von ihrem verstorbenen Vater Cuntz Leichtermut geerbt hätten, der es von dem verstorbenen Hans Bayer aus Thüngersheim zu dessen Lebzeiten gekauft habe".

Der älteste Bau, dürfte aufgrund seines schwellenlosen Erdgeschosses und den durchgehend angeblatteten Verstrebungen in beiden Geschossen vor 1500 entstanden sein Die heute noch erhaltenen Gaden entlang der Kirchgasse stehen also nur stellvertretend für eine Reihe noch älterer Bauten. Sie sind, neben der Mauer hinter dem Kirchenchor, das letzte Zeugnis der einstigen Kirchhofbefestigung.

Pfarrkirche St. Michael

Kanzel in der Kirche Thüngersheim

Die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts scheint in Thüngersheim eine baufreudige Zeit gewesen zu sein. Die größte Baumaßnahme mit Kosten von über 3000 Gulden war der Kirchenneubau, der sich über mehrere Jahre erstreckte.

1593 begann man mit den Arbeiten und erneuerte zunächst den Kirchturm. Die drei vorhandenen Geschosse wurden um zwei weitere erhöht und ein neuer Dachstuhl aufgesetzt. Seither hat unsere Kirche einen "Julius-Echter-Turm", wie er für viele andere Kirchen in Franken charakteristisch ist.

Erst 1602 wurde mit dem Neubau der Kirche begonnen. Die alte Kirche wurde bis auf den bereits renovierten Turm abgerissen und anschließend ein höheres und breiteres einschiffiges Langhaus erbaut. 1603 war der Neubau bereits vollendet und am 20. Juni 1604 konsekrierte der Würzburger Weihbischof Eucharius Sang das neue Gotteshaus.

Die Inneneinrichtung der Kirche wurde erst nach der Konsekration vervollständigt. Vor allem das Schnitzen und Malen der Altäre erforderten noch einige Zeit. 1725 wird die Ausschmückung der Orgelempore den einheimischen Kunstmalern Johann Sebastian Urlaub und Philipp Kern übertragen. Aller Schmuck und Zierrat an der Orgel wird mit Dukatengold vergoldet und 12 Bilder zum Ausschmücken der Empore werden erstellt.

Der Name "Urlaubsbilder" für diese Arbeiten besteht also zu recht. Allerdings nicht vom wohl berühmtesten Thüngersheimer "Georg Anton Urlaub", der unter seinem Lehrmeister Tiepolo auch an der Ausmalung der Würzburger Residenz beteiligt war, sondern von dessen Vater Johann, Sebastian Urlaub.

Von 1978 bis 1981 wurde die Kirche um zwei Seitenschiffe erweitert und stellt sich so bis heute dar.

Entnommen aus der Festschrift zur Altarweihe 1981, von Ludwig Remling

Das Rathaus

Rathaus


Der Bau des heutigen Rathauses wurde 1697 begonnen und 1699 abgeschlossen. Allerdings wurde es damals als Schulhaus gebaut. Die Baukosten beliefen sich auf 620 Gulden, wobei 200 Gulden von der Kirche beigesteuert und die restlichen 420 Gulden von der Gemeinde übernommen wurden.

Durch einen weiteren Umbau 1828 erhielt das Haus sein heutiges, nur gering verändertes Aussehen. Das Gebäude wurde damals erheblich verlängert und um ein Stockwerk erhöht.

1906 kam es schließlich zum Neubau eines weiteren Schulgebäudes außerhalb der alten Dorfbefestigung. Die vier Schulklassen wurden auf beide Gebäude aufgeteilt.
Als im Jahre 1962 ein neues Zentralschulgebäude in Thüngersheim eingeweiht wurde, diente das heutige Rathaus als Wohnhaus und im Erdgeschoss zeitweise als zentrale Milchsammelstelle.

1981 wurde das gesamte Gebäude grundlegend umgebaut und seit 1982 befindet sich hier der Sitz der Gemeindeverwaltung.
Im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen wurde von den bauausführenden Firmen wieder eine Glocke gespendet, da die ursprüngliche Schulglocke in den Kriegswirren verschwunden war.
Seit dem wird diese Glocke von allen Brautpaaren, die sich im Thüngersheimer Standesamt das Jawort geben, als Hochzeitsglocke geläutet.

Fachwerkhäuser

Fachwerkhaus

Die städtebauliche Struktur des Winzerortes aus der Zeit Julius Echters (1581) bildet eine eindrucksvolle Einheit. Einschließlich der Ortsbefestigung und der Leiterstruktur von Straßen und Gassen prägen neben markanten öffentlichen Gebäuden kompakte, private Anwesen Vielfalt und Eigenart des Altortes.

Ein dichtes Nebeneinander von Wohn- und Geschäftshäusern mit Abseiten zur Produktion von Wein, mit den Ställen, Remisen und Scheunen bilden eine einmalige Struktur. Sie stehen mit dem Giebel oder mit der Traufe zum öffentlichen Raum und stellen ein historisches Ganzes dar.

So sind auch noch einige sehr gut erhaltene, oder wieder vollständig restaurierte Fachwerkhäuser in den verwinkelten Gassen des Altortes zu finden.

Weitere Bilder finden Sie in unserem Fotoalbum.

Die Kelter

Kelter

Über Jahrhunderte wurden Weintrauben ausgepresst, indem die Maische mit den Füßen gestampft wurde.

Doch bereits bei den Römern kamen hölzerne Hebelpressen zum Einsatz, so genannte Kelterbäume oder Baumkeltern. Nördlich der Alpen wurde diese Technik vermutlich direkt von den Römern übernommen; möglich ist jedoch auch eine Wiederbelebung des Kelterbaumes im Rahmen der frühmittelalterlichen Klosterkultur. Die Trauben wurden mit Bohlen und Hölzern abgedeckt und durch herunterschrauben der Spindel ausgepresst, d.h. gekeltert.

Kurz nach dem Ortsausgang von Thüngersheim, direkt an den Weinbergen gelegen, steht solch eine Historische Kelter. Um sie vor Witterungseinflüssen zu schützen wurde sie gleich nach der Aufstellung mit einem Schutzdach versehen.

 
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